Retourenmanagement im E-Commerce: Effizienter Umgang mit Rücksendungen
- mk-Lagertechnik
- 1. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Rücksendungen gehören im E-Commerce zum Alltag. Ein professionell organisiertes Retourenmanagement hilft Unternehmen, die Kosten und den Aufwand von Warenrücksendungen zu reduzieren und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was Retourenmanagement bedeutet, warum es so wichtig ist und welche Maßnahmen besonders erfolgreich sind.

Was versteht man unter Retourenmanagement?
Retourenmanagement umfasst alle Prozesse rund um Waren, die von Kundinnen und Kunden an ein Unternehmen zurückgeschickt werden. Nach dem Eintreffen der Ware entscheidet das Unternehmen je nach Zustand, ob die Produkte wieder eingelagert, repariert oder – wenn weder Aufbereitung noch Wiederverkauf möglich sind – ordnungsgemäß entsorgt werden.Diese Vorgänge binden zusätzliche Ressourcen in der Intralogistik und müssen daher besonders effizient gestaltet werden.
Das Retourenmanagement verfolgt zwei zentrale Ziele:
Retouren vermeiden (präventives Retourenmanagement)
Rückgabeprozesse optimieren (reaktives Retourenmanagement)
So werden sowohl die Retourenquote gesenkt als auch sämtliche logistischen Schritte im Rücksendeprozess verbessert.
Warum ist ein effizientes Retourenmanagement so wichtig?
In vielen Bereichen des Online-Handels – insbesondere Mode, Technik oder Kleinwaren – lassen sich Rücksendungen kaum vermeiden. Häufig bestellen Kundinnen und Kunden mehrere Varianten, um erst nach der Lieferung zu entscheiden, welche Produkte sie behalten.
Ein einfacher und transparenter Rücksendeprozess steigert die Kundenzufriedenheit und kann einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellen. Gleichzeitig erhöhen Retouren die Betriebskosten erheblich.
Ein gutes Retourenmanagement unterstützt Unternehmen bei:
höherer Kundenzufriedenheit und -bindung
Wettbewerbsvorteilen gegenüber anderen Anbietern
mehr Effizienz im Lager und geringeren Kosten
besserer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung
Ursachen für Retouren – und wie Sie diese vermeiden
Retouren haben nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern auch ökologische. Jeder Rückversand bedeutet zusätzliche Verpackung, Transportwege und im schlimmsten Fall Entsorgung. Präventives Retourenmanagement setzt daher bei den Hauptursachen an:
Häufige Rücksendegründe & passende Maßnahmen
Mangelhafte Qualität beim Produkt selbst → bessere Materialien, robustere Verarbeitung
Unpräzise Produktinformationen auf der Produktseite→ klare Beschreibungen, Detailbilder, Produktvideos
Falsche Größe/Passform → genaue Maße, Größentabellen, Größenrechner, 3D-Anprobe
Transportschäden → stabilere Verpackungen, geschultes Personal
Lange Lieferzeiten → realistische Angaben, optimierte Prozesse, Tracking
Hohe Retourenkulanz → transparente Regeln, ggf. Anpassung der Bedingungen
Durch diese Maßnahmen lässt sich die Retourenquote nachhaltig senken.
Reaktives Retourenmanagement: Rücksendungen effizient abwickeln
Nicht alle Retouren sind vermeidbar. Deshalb gilt es, die internen Abläufe so effizient und ressourcenschonend wie möglich zu gestalten. Dazu gehören u. a.:
umweltfreundliche Versand- und Verpackungslösungen
CO₂-neutrale Versandoptionen
Reparatur statt Entsorgung
Aufbereitung und Weiterverkauf als B-Ware
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit müssen sich nicht ausschließen – oft sind intelligente Kompromisse möglich.
Die wichtigsten Schritte im Retourenprozess
Der Rücksendeablauf lässt sich in vier Phasen gliedern:
Rücksendewunsch – Kunde kontaktiert das Unternehmen
Prüfung – Abgleich mit den Rückgabebedingungen
Eingang der Ware – Qualitätskontrolle und Bewertung
Behandlung der Ware – Reinigen, Reparieren, Neuverpacken oder Entsorgen
Registrierung – Wiedereinlagerung als Neu- oder B-Ware bzw. Verlustverbuchung
Jeder Schritt erfordert gut abgestimmte Prozesse, um Zeit, Kosten und Ressourcen zu sparen.
Optimierungsmöglichkeiten im Retourenmanagement
Eine regelmäßige Analyse der Retourenprozesse deckt Schwachstellen auf. Verbesserungen sind z. B. möglich in den Bereichen:
Rückgabeprozess & Logistik
automatisierte Rücksendeetiketten
Online-Formular für Rücksendungen
lückenlose Paketverfolgung mittels Barcodes oder Trackingnummern
Lagereinrichtung & Organisation
separate Arbeitsbereiche für Annahme, Prüfung und Wiedereinlagerung
Schulung des Lagerpersonals
klare Prozessdefinitionen für Rücksendungen
Kundenkommunikation
schnelle Antworten
hohe Erreichbarkeit
transparente Informationen
kontinuierliche Optimierung basierend auf Feedback
Softwareunterstützung
digitale Erfassung aller Retouren im Warenwirtschaftssystem
Analyse häufig retournierter Produkte um Fehlerquellen zu identifizieren
bessere Auswertung von Kunden- und Produktdaten
Retourenmanagement im Dropshipping
Bei Dropshipping-Modellen wird die Ware nicht selbst gelagert, sondern direkt vom Lieferanten versendet. Das macht den Retourenprozess komplexer:
Wohin geht die Rücksendung?
Wer trägt Kosten und Verantwortung?
Daher sind klare Vereinbarungen mit den Dropshipping-Partnern wichtig – etwa zu Rücklieferungen, Kostenerstattungen oder Ersatzlieferungen.
Rechtliche Grundlagen
Wesentliche Rechtsgrundlagen für Rücksendungen:
Widerrufsrecht
Gewährleistungsrecht
Verbraucherrechte laut BGB
EU-Richtlinie 2011/83/EU
Bei internationalem Versand müssen die lokalen Vorgaben berücksichtigt werden. Eine rechtliche Beratung ist empfehlenswert.
Was ist eine Retourenquote?
Welche Retourenquoten gibt es?
Und wie werden diese unterschieden?
Die Retourenquote ist eine zentrale Kennzahl, die zeigt, wie viele der verkauften Waren wieder an das Unternehmen zurückgeschickt werden. Je nach Betrachtungsweise unterscheidet man drei Varianten, die unterschiedliche Aspekte des Rücksendeverhaltens abbilden:
Alpha-Retourenquote: Verhältnis von versendeten Paketen zu zurückgesendeten Paketen
Beta-Retourenquote: Verhältnis der versendeten Artikel zur Anzahl der retournierten Artikel
Gamma-Retourenquote: Verhältnis des Warenwerts aller Sendungen zum Warenwert der Rücksendungen


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